Im Interview: Cathrin Bach und die Emotionalität von Bildern

1) Wie und warum bist Du Bildredakteurin geworden?

Zunächst habe ich Ende der 90er Jahre als Textredakteurin bei der Berliner Zeitung gearbeitet und mich später nochmals für ein Volontariat in der Fotoredaktion des Blattes entschieden – für mich die beste Entscheidung. Fotos bedeuten für mich den direkten und lebendigen Einstieg in ein Thema:
ein Foto, das berührt und alles auf einen Punkt bringt.
Ich habe eine Vorliebe für Reportagefotos, die Geschichten erzählen, neugierig machen, verblüffen, berühren. Texte und Themen in Bildsprache übersetzen – genau diese Aufgabe finde ich bis heute noch sehr reizvoll.

 

2) Ein Student/Berufsanfänger will Bildredakteur werden.
– Was sollte er können/wissen/mögen?

Er sollte neugierig sein, eine gute Allgemeinbildung haben und interessiert sein am gesellschaftlichen und politischen Leben. Hilfreich ist ein Interesse für Fotografie, (z. B. wie ein Fotoshooting abläuft) aber auch zu Bildkompositionen und Spezialisierungen innerhalb der Fotografie (Architektur, Portrait, Reportage, Stills, Mode, Food) Für alle Bereiche gibt es spezialisierte Fotografen.
Ein Bildredakteur sollte wissen, wie Fotografen und Redaktionen zusammenarbeiten. Das könnte er z.B. durch ein Praktikum erfahren.

– Was ist super an diesem Beruf, was nervt?

Wunderschön ist die Vielfalt des Berufes, schließlich werden Fotos zu allen möglichen Lebens- und Arbeitsbereichen gesucht – eine ganz bunte Bilderwelt. Das Spektrum reicht von der einfachen Bildrecherche über die Erstellung von Fotokonzepten bis hin zur Organisation von Fotoshootings und die Weitergabe des Wissens in Schulungen.
Sehr einseitig finde ich, wenn der Fotoredakteur nur Bilder beschaffen soll, die vorher von irgendjemandem im Internet gesehen wurden. Der Urheber ist oft unbekannt, die Rechte sind ungeklärt und ebenso die Preise. Als Anregung für eine Bildrecherche mag es allerdings sinnvoll sein.
Spannend finde ich, Bildkonzepte und Bildideen zu entwickeln. Mir macht es Spaß, Fotoproduktionen zu organisieren und dann beim Shooting umzusetzen – mit dem Fotografen, Assistenten, Visagisten und Stylisten.

– Wie reich wird man?

Man kann gut seinen Lebensunterhalt bestreiten.

 

3) Witzig, kurios, unglaublich ….. welche Highlights gab es bei Dir?

Unglaublich ist für mich immer wieder die Arbeit für Boulevardzeitungen und –zeitschriften. Die Unmenge an Fotos von Prominenten, die man in unzähligen Nahaufnahmen und sehr privaten Momenten sieht, die Geschichte, die erzählt werden soll und die letztendliche Auswahl der Bilder.
Fotos können in jedem Fall manipulieren und als Bildredakteur trägt man hierfür auch eine Verantwortung.
Ein Highlight ist für mich, wenn Text, Layout und Foto so gut zusammengehen, dass eine runde und schöne Geschichte entsteht – am meisten mag ich Bildstrecken für Magazine.

 

4) Dein Auftraggeber wünscht sich von Dir eine perfekte Arbeit. Wie sieht Dein perfekter Auftraggeber aus?

Mein perfekter Auftraggeber ist offen, interessiert und vertraut meiner Professionalität.

 

5) Mal Familie & Co. außer Acht lassend: home office oder lieber vor Ort oder abwechselnd?

Ich mag beides – vor Ort bekomme ich mehr vom Geschehen und den Arbeitsprozessen mit – die Wege sind kürzer und ich habe den direkten Kontakt zu den Kollegen. Home Office bietet mir freie Zeiteinteilung und oft kann ich konzentrierter arbeiten.

 

6) Mit welchen Programmen/Techniken arbeitest Du hauptsächlich?

Ich arbeite mit allen gängigen Fotodatenbanken, die Verlage verwenden (Apis, Picturemaxx, Fotostation, Picturedesk) mit Lightroom, Photoshop, den Office Programmen.

– Was kannst Du besonders gut?

Ich bin gut, wenn Dinge schnell organisiert werden müssen, kann gut assoziativ „denken“, eher fühlen (hilfreich bei Fotoideen) und konzeptionell arbeiten. Gehe leicht auf Menschen zu. Spreche mehrere Sprachen (Russisch, Englisch, Spanisch).

– Gibt es ein Lieblings-Tool, das Du weiterempfehlen kannst?

Ich arbeite sehr gerne mit Lightroom – super für eine schnelle Auswahl, Beschriftung, Bearbeitung der Fotos und, um Prioritäten zu setzen.

– Wie bleibst Du auf dem Laufenden?

Immer wieder die wichtigsten Publikationen durchblättern, Internet,
Nachrichten, Ausstellungen besuchen, viele Bilder schauen, Augen und Ohren offen halten.

 

7) Was machst Du sonst noch?

Ich arbeite als Bildredakteurin und seit 2000 als Fotografin – dabei fotografiere ich vor allem Reportagen, aber auch Portraits oder Events.
Genauso wichtig wie die Arbeit ist mir der Ausgleich dazu – Reisen, Volleyball spielen, Tanzen, Yoga, Spanisch lernen, Filme, Musik, mit dem Mountainbike unterwegs sein.

– Hast Du ein zweites Standbein?

Mein zweites Standbein ist seit 16 Jahren die Fotografie.

– Hast Du Hobbies, die Du evtl. auch beruflich nutzen kannst?

Alles, was mich bereichert, Spaß macht, neue Erfahrungen bringt, kann ich im Job nutzen, da ich immer wieder mit Fotos aus allen Lebensbereichen zu tun haben. Auf jeden Fall von Vorteil sind meine Arbeit als Fotografin und meine Sprachkenntnisse, da auch viele Fotos im Ausland recherchiert werden müssen.

 

8) Ein kurzer Blick in die Zukunft: Wer – mal von den üblichen Auftraggebern wie Verlage usw. abgesehen – kann vom Deinem Wissen als Bildredakteurs noch profitieren?

Es können Unternehmen sein, die an Schulungen interessiert sind, weil Mitarbeiter fotoredaktionelle Aufgaben übernehmen wollen – Bildauswahl, Bildbeschriftung, Rechteklärung, darüber hinaus Verlage für Printmedien, Unternehmer, die Fotos für eine Website brauchen.