Im Interview: Patrick Koch über Quereinstieg und Nachtschichten

1) Wie und warum bist Du Bildredakteur geworden?

Ein wenig wie die Jungfrau zum Kind. Nach meinem Politik-, Neuere Geschichte- und Volkskunde-Studium in meiner Heimatstadt Bonn wollte ich gerne als Texter zu einer Zeitung, einem Magazin. Da es zu diesem Zeitpunkt aber keine vakanten Stellen gab, habe ich mich bei action press (internationale Bildagentur in Hamburg) beworben und quasi einen Schritt zurück und nochmal eine Ausbildung, ein Volontariat, gemacht. Das fand ich so spannend, dass ich nach diesen zwei Ausbildungsjahren dabeigeblieben bin. Nach weiteren zwei Jahren bei action press bekam ich dann die Chance, bei der Bild Zeitung in München als Bildredakteur zu arbeiten – und das hab ich auch ein Jahrzehnt mit Leidenschaft getan.

 

2) Ein Student/Berufsanfänger will Bildredakteur werden.
– Was sollte er können/wissen/mögen?

Man sollte ein Volontariat machen. Da lernt man relativ viel. Man sollte in der Lage sein, sich von erfahrenen Redakteuren auch mal etwas sagen zu lassen und Tipps von den „alten Hasen“ auch annehmen. Und fragen, aufsaugen und bereit sein, nochmal etwas zu lernen; auch wenn man vielleicht meint, aufgrund des Studiums oder Volontariats, schon alles zu wissen. Wissen und mögen sollte man, dass der Job in der Regel kein 9 to 5 Job ist. Und dass das Business in den meisten Fällen relativ rau ist. Ein dickes Fell ist also angesagt.

– Was ist super an diesem Beruf, was nervt?

Ich sehe jeden Tag, was ich geschaffen habe. Die Bilder, die ich raussuche, erscheinen in meinem Medium, für das ich arbeite, entweder sofort (online/digital) oder dann in den Print-Medien. Und ich habe, zumindest momentan, weitgehend die Möglichkeit, kreativ an der Bildgestaltung mitzuwirken, zu brainstormen, auch ein wenig zu „spinnen“. Was nervt, sind eingefahrene Abläufe und der Satz „Das haben wir schon immer so gemacht!“

– Wie reich wird man?

Reich nicht, aber ich finde immer noch ausreichend – also doch eher Jammern auf hohem Niveau.

 

3) Witzig, kurios, unglaublich ….. welche Highlights gab es bei Dir?

Ein absolutes Highlight gab es schon zu Anfang meiner Zeit als Bildredakteur, als ich bei der Bild Zeitung München gearbeitet habe. Nach meiner Spätschicht – es war ca. 21.30 Uhr und ein warmer Sommerabend – saß ich gemütlich auf meinen Balkon.  Dann, um 23.30 Uhr, ging das Telefon und das Layout ‚meiner‘ Redaktion, das eigentlich auch gerade nachhause gehen wollte, teilte mir mit, dass der ehemalige Klimbim TV-Star, Elisabeth Volkmann, in Ihrer Wohnung in München tot aufgefunden wurde. Alarm. Das gesamte Team – Redaktionsleiter, ein CvD, das Layout und ich – wurden in die Redaktion zurückgerufen, alle Informationsdrähte glühten. Mein Fotochef war schon unterwegs und vor der Wohnung der toten Schauspielerin. Wir stellten in der Redaktion die gesamte Zeitung um, produzierten eine Sonderseite, verschoben andere Teile und auch der Titel der Bild München sollte geändert werden – mit einem besonderen Porträt der Schauspielerin, das schnellstens gesucht werden musste: Ich fand dieses besondere Porträt und um 0:30 Uhr war die Zeitung fertig. Am nächsten Tag sah ich an den Kiosken ‚mein‘ Cover-Foto der Schauspielerin und die anderen Tageszeitungen in München hatten nichts, da sie nicht so spät drucken konnten wie die Bild. Und wie gut ‚mein‘ Foto war, konnte ich auch daran erkennen, dass es mehrfach danach auch noch von anderen Medien gedruckt wurde.

 

4) Dein Auftraggeber wünscht sich von Dir eine perfekte Arbeit. Wie sieht Dein perfekter Auftraggeber aus?

Mein perfekter Auftraggeber ist menschlich, loyal und hat Vertrauen in meine Fähigkeiten.

 

5) Mal Familie & Co. außer Acht lassend: home office oder lieber vor Ort oder abwechselnd?

Am liebsten und meines Erachtens auch am besten ist das Arbeiten vor Ort, in der Redaktion, da es sich viel besser zusammenarbeiten lässt, wenn Layout, Text und Bild ‚Aug in Aug‘ miteinander reden können. Sträuben würde ich mich aber nicht gegen einen home office Job.; es müssten jedoch die Rahmenbedingungen (Kollegen, Vertrauen, Loyalität) stimmen.

 

6) Mit welchen Programmen/Techniken arbeitest Du hauptsächlich?

Microsoft Office, Firefox, CMS (InterRed, Tridion, Censhare), my-picturemaxx, Microstocks (fotolia, clipdealer, panthermedia, colourbox u.a.), FotoStation, Cumulus, Adobe Photoshop/Bridge/Acrobat.

– Was kannst Du besonders gut?

Recherchieren; Bildideen entwickeln; Organisieren und mit Menschen, d.h. kommunizieren – reden – zuhören!!! – miteinander – auf Augenhöhe – Teamplaying

– Gibt es ein Lieblings-Tool, das Du weiterempfehlen kannst?

Das Internet 😉

– Wie bleibst Du auf dem Laufenden?

Facebook, Twitter, youtube, LinkedIn, Xing, Instagram, Bild.de, Welt Digital / Tagesschau, Heute Journal, Tagesthemen (im TV).

 

7) Deine Hobbies? Kannst Du sie vielleicht auch beruflich nutzen?

Meine Hobbies sind neben meiner Familie Fußball, Tennis und Yoga. Die Begeisterung für Familie und Sport lassen sich auf jeden Fall für den beruflichen Alltag nutzen, sowohl thematisch als auch mit dem Wissen, dass es neben dem Beruf, mit der Familie wirklich Wichtiges im Leben gibt.

 

8)  Hast Du ein zweites Standbein?

Tennis-Jugend-Trainer

 

9)  Ein kurzer Blick in die Zukunft: Wer – mal von den üblichen Auftraggebern wie Verlage usw.  abgesehen – kann vom Deinem Wissen als Bildredakteur noch profitieren?

Menschen im Bereich Marketing / Werbung / PR;

Menschen, die sich bildtechnisch neu aufstellen wollen;

Menschen, die Kontakte in die Medienbranche suchen;

Menschen, die im Bereich Fotografie bzw. als Fotoredakteur durchstarten wollen;

Menschen, die einfach einen fotografischen Rat brauchen.

Diese Menschen können von meinem Know-how, meiner langjährigen Berufserfahrung – als Freelancer und als Festangestellter – in total unterschiedlichen Medien mit allen möglichen Themenschwerpunkten (Boulevard, Auto, Finanzen, Werbung, Marketing/Sport, News, Politik, Wirtschaft, Kultur, Unterhaltung, Lifestyle, Reise/National, International) profitieren.